Originaltitel: Yokuko or: The Rite of Love and Death. Alternativtitel: Yokuko, Patriotism. Japan, 1966. Regie: Yukio Mishima. Drehbuch: Yukio Mishima. Produktion: Yukio Mishima, Hiroaki Fujii. Kamera: Kimio Watanabe. Darsteller: Yukio Mishima (Shinji Takeyama). Yoshiko Tsuruoka (Reiko). Schwarzweiß. 29 Min.



 

 


 

 

"Yukoku" war die Lieblingsgeschichte des wohl größten japanischen Schriftstellers dieses Jahrhunderts: Yukio Mishima. Er bezieht sich bei "Yukoku" auf wahre Ereignisse aus dem Jahre 1936, wenn er die Geschichte des hochrangigen Soldaten Shinji Takeyama nacherzählt, der nach einem fehlgeschlagenen, politischen coup d'etat, beschließt seinem nun unehrenhaften Leben ein Ende zu bereiten. Dass Mishimas eigene Lieblingsgeschichte den tragischen Selbstmord zum Thema hat, ist prophetisch. Kurze Zeit nach Fertigstellung seiner eigenen Filmversion seiner Geschichte, beging das tragische Genie selber Suizid nach dem Scheitern einer eigenen politischen Aktion. Seitdem bleibt "Yukoku" ein verschlossener, geheimer Film. Mishimas hinterlassene Frau soll alle Kopien von "Yukoku" zerstört haben und die wenigen noch in Zirkulation befindlichen Masterbänder dürfen nicht außerhalb Japans aufgeführt werden.

In seinem einzigen Versuch, sich als Filmemacher zu betätigen, konzentriert sich Mishima aufs Wesentliche: Die Vorgeschichte des gescheiterten Putschs wird nur durch überlange, handgeschriebene Texttafeln erzählt. Der Film an sich zeigt nur das Ende des Lebens der beiden Liebenden. Wortlos und ohne filmisch die Vergangenheit aufzuschlüsseln. Reiko, die hübsche Ehefrau des Soldaten, schwelgt noch einmal in letzten Erinnerungen an die glücklichen Zeiten mit ihrem Gatten – hierbei überblendet Mishima die Aufnahme der lächelnden Yoshiko Tsuruoka, die die Reiko spielt, mit einer transparenten Aufnahme der Hände ihres Mannes, die ihr Gesicht zärtlich liebkosen.

Es kommt zu einer letzten Zärtlichkeit, einem letzten Ausdruck der Liebe zwischen den beiden, bis sich Takeyama schließlich seine Uniform anzieht, um den zeremoniellen seppuku zu begehen. Fast die Hälfte des eh recht kurzen Films nimmt nun die grauenhafte, sehr explizite und schmerzliche Darstellung der Freitode beider Menschen ein. In überaus graphischer Detailfreude eröffnet uns Mishima einen Einblick auf das Wakizashi-Schwert und wie es in den Bauch des Schwertführers eindringt, während sich Blut über seinen Schoß, seine Hände und den Fußboden ergießt. Im Gegensatz dazu zeigt uns Mishima aber nie die schuldigen, verzweifelten Augen seiner Figur. Der Schirm der Offiziersmütze, die Mishima in der Rolle des Takeyama trägt, offenbart nicht einmal den Blick auf die zitternden, vielleicht sogar glasigen Augen seiner selbst.

Mishima liebte das traditionelle japanische Theater und das sieht man "Yukoku" an: Bis auf die letzte Einstellung, die das übereinander liegende, tote Paar entgegen aller logischen Gesetze in eine romantische, poetische Umgebung eines japanischen Gartens transportiert, spielt sich der gesamte Film in einem einzigen Raum ab. Die Behausung Takeyamas sticht nur durch das japanische Schriftzeichen für "Treue" an einer der Wände heraus, ansonsten herrscht purer Minimalismus im Set Design für "Yukoku", das Mishima selbst betreute.

Der größte und wohl einzige Kritikpunkt an Mishimas einzigem Regieversuch ist, dass "Yukoku" sich auf seine sensationalistischen Bilder verlässt. Mishima liebte es, sich und seine Person selbst zu inszenieren und genau das tat er auch mit "Yukoku". Angesichts seines eigenen Endes im privaten Leben, nahm er hier vorweg, wie er gerne für die Welt in Erinnerung bleiben würde. Ehrbar, ernst, ein Samurai seiner eigenen Welt. Auch wenn er sich selbstgerechterweise mit "Yukoku" "nur" ein eigenes Denkmal setzen wollte (durch die Auslassung der politischen Randstory bietet der Film kaum Potential als Parabel), dürfte sein Filmwerk schon allein aufgrund dieser Tatsache beachtenswert sein: Der große japanische Autor, Dichter und Künstler gibt Einblick in seine Art, die Welt und sein eigenes, seine Schatten vorauswerfenden Endes, zu sehen.