Sie hießen "Mystic Knights of the Oingo Boingo" und machten auf der Bühne, was ihnen gerade in den Kram passte. Die Weirdness-Revue von Danny Elfman begann sich gerade aufgrund des Wegfallens der wichtigsten Gründungsmitglieder in eine stinknormale Rockcombo zurückzuentwickeln, da beschloss man, den anarchischen Geist der Aufführungen in einem gigantisch abgedrehten Film einzufangen. Das Konzept des Elfman-Clans für "Totaler Sperrbezirk" eine surreale Musical-Nummernrevue voller garstiger Einfälle und möglichst dreckig-debile Witzchen zu erschaffen, ist nicht neu, bedenkt man, dass fünf Jahre zuvor Jim Sharmans "The Rocky Horror Picture Show" den Kult des Mitternachtskinos begründete.

Den "totale[n] Sperrbezirk" erreicht man durch eine geheime Tür in dem Hause der Hercules'. Dieser Sperrbezirk ist die gefährliche Sechste Dimension, die von dem kleinwüchsigen König Fausto ("James Bond"-Bösewicht Hervé Villechaize) regiert wird. Hört sich also gefährlich an und deshalb ist es auch Papa Hercules' guter Rat an seine neugierige Tochter Frenchy, die verbotene Zone nicht zu betreten, selbst wenn der Transvestitenbruder ihres Freundes, der Hühnerjunge Squeezit, in dieser fremden Parallelwelt zu finden ist. Als sie eines Tages zu früh von der Schule heimkehrt, stolpert sie eher zufällig in den Sperrbezirk und wird prompt gefangen genommen. Fausto würde Frenchy gerne als nächste Königin sehen – ganz zum Missfallen der derzeitigen Königin Doris (Susan Tyrrell), die bereits die erste Frau Faustos für ihre Zwecke um die Ecke brachte.

Königin Doris ist das körperliche Gegenstück zu dem Liliputaner Fausto: Drall, groß, auffällig. Und ihre Furcht, Fausto könnte zuviel Gefallen an seiner neuen Konkubine nehmen, singt sie mit kräftiger Stimme heraus. Mittlerweile sind Frenchys Bruder und ihr Großvater längst in dem Sperrbezirk unterwegs um sie zu retten – doch auch diese beiden Retter werden festgenommen. Schließlich ist es an Squeezit, dessen einziger Freund ein Huhn ist, in die Verbotene Zone vorzudringen und dem wirren Treiben ein Ende zu bereiten. Der jedoch wird von Satan persönlich, der die Sechste Dimension aus unbekannten Gründen ebenfalls bewohnt, festgenommen und zum Tode verurteilt…

"Totaler Sperrbezirk" macht keinen Sinn. Wie man es dreht und wendet, der Film ist eine aufgedrehte Sketsch- und Musicalnummern-Collage mit einer sehr einfachen Geschichte, die all die eigentümlichen Ideen zusammenhält. Danny Elfmans "Minnie the Moocher"-Performance ist grandios, ebenso die "Three Stooges"-Parodie in der Schulklassenszene (die leider durch leicht rassistische Stereotypen auffällig und dadurch immer wieder in die Kritik fällt). Es gibt einen gigantischen Frosch, der als Butler für Königin Doris dient, einen menschlichen Kronenleuchter, eine Prinzessin, die ständig oben-ohne durch den Film rennt, selbst das Künstlerduo "The Kipper Kids" gibt sich die Ehre. Es kommt immer wieder zu kurzen Zeichentrickparts, die in ihrer Konsequenz und Schrulligkeit an Terry Gilliams Arbeiten für "Monty Python's Flying Circus" erinnern. Und um dem ganzen irren Treiben noch einen draufzusetzen: Die Filmsets scheinen aus kindlich bemalten Pappmache-Kulissen zu bestehen. Kreative Einfälle und viel irre Ideen hatten sie, die Filmemacher…

Geld hatten sie nicht so viel. Daher ist "Totaler Sperrbezirk" leider in Schwarzweiß gedreht. Den Mainstreamkinogänger jedoch wird weniger das geringe Budget sauer aufstoßen, sondern eher das geringe Maß an konventioneller Geschichtenerzählung. Insgesamt wirkt Elfmans Debütfilm extrem improvisiert. Viele Szenen sind bekanntlich durch Zufall entstanden. Und als die Filmemacher nach den Dreharbeiten vor einem Haufen unzusammenhängender, aber surreal-witziger Einzelszenen standen, fügten sie die Rahmenhandlung mit der Familie Hercules hinzu. Die Konsequenz aus dieser Arbeitsweise ist eindeutig: "Totaler Sperrbezirk" folgt nur lose einer klaren Handlung, sondern versteht sich eigentlich als andersartige episodenhaftige Verfilmung des sonstigen Bühnenspektakels des Elfman-Clans.

Weiß man von diesen Grundvoraussetzungen wird man "Totaler Sperrbezirk" durchaus schätzen wissen. Auch wenn der etwas vulgäre Humor und die ständige "Over-the-top-weirdness", die anscheinend zwangsweise andauernd den "Rocky Horror Picture Show"-Skurrilitäts-Pegel überschreiten muss, nicht immer innerhalb ihrer Aufgaben zünden und funktionieren, bleibt "Totaler Sperrbezirk" ein unterhaltsamer Ausbruch kreativer Energie – wenn auch ohne Sinn, Verstand und Anspruch. Dafür aber mit einer "wahnsinnige Idee pro Minute"-Ratio, die sich gewaschen hat.