Während der deutsche Titel "Teuflische Brüste" schon einen Vorgeschmack auf den ungewöhnlichen Inhalt dieser Doris-Wishman-Kolportage hindeutet, hüllt sich der Originaltitel "Deadly Weapons" vorerst in kultiviertes Schweigen. Diese "tödlichen Waffen" sind keineswegs geladene und entsicherte Schusswaffen oder irgendwelche Messer oder Schlagstöcke. Nicht etwa ostasiatische Klingen. Es sind die ausfallenden Brüste der polnischen Hauptdarstellerin Chesty Morgan. Unter dem Pseudonym Zsa Zsa nutzt Frau Morgan in diesem Krimiquark ihre Oberweite von 184 Zentimetern, um die Mörder ihres Gangstergöttergatten während eines vorgetäuschten erotischen Beisammenseins zu ersticken. Die Sensation wäre geklärt, wer nach dieser Offenbarung ernsthaftes Filmemachen erwartet, ist selber Schuld.

Chestys polnischer Akzent muss enorm gewesen sein. Denn in der Rolle der Crystal wurde sie mit einer gedubbed. Und auch an ihren Wimpern scheint in Natura irgendetwas auszusetzen zu sein, denn die Protagonistin trägt derart schwere falsches Augenlid-Make-up, dass Chesty Morgans Augen den ganzen Film über halb geschlossen zu sein scheinen. Da der Film eh nicht vor Dynamik oder Energie strotzt, kann sich das Gefühl anschleichen, Chesty würde jede Minute zusammenbrechen und einen Schönheitsschlaf, den sie sicherlich nötig hätte, beginnen. Und da sind wir schon am Kern des Films: Höchstens extreme Superbusenfetischisten dürften die durch die Regisseurin intendierte Erotik verspüren – die enorme Masse an Oberweite ist weder ästhetisch, noch anziehend.

Wer also die Titelsequenz, in der Chesty Morgan ihren Busen bereits wabernd in verschiedene reflektierende Spiegelobjekte hält, überstanden hat, den kann auch die anschließende Erotikthrillerkost kaum mehr schocken: Crystal ist verliebt in Larry. Und Larry ist verliebt in Crystal. Die ganze Welt für die beiden könnte aus flauschigen Liebesherzchen bestehen, wenn da nicht Larrys Doppelleben als Krimineller wäre, von dem Crystal nichts weiß. Larry beschließt einen letzten Coup zu landen und dann auf die ehrliche Seite des Lebens zu wechseln und Crystal schließlich zu heiraten. Doch es kommt alles anders, als geplant:

Larry erpresst auf eigene Faust Einträge auf einer Liste eines Opfers seines Gangsterbosses – ohne es diesem zu sagen! Und um das alles noch komplizierter zu machen, kommt Larrys Boss, der einäugige Mobster, den man gemeinhin "Captain Hook" nennt, hinter seine unkameradschaftlichen Machenschaften. Als Larry seine Strafe erhält, belauscht Crystal die Ermordung ihres Liebhabers per Zufall über einen nicht aufgelegten Telefonhörer und bekommt just die Informationen, die sie benötigt um sich selber auf einen Rachefeldzug der besonderen Art zu schicken. In Las Vegas heuert sie als Stripperin an und erstickt die schmierigen Gangster zwischen ihrem Atombusen.

In "Teuflische Brüste" präsentiert uns die wohl berühmteste Exploitation-Regisseurin Doris Wishman eine Welt voller schlechter Männer. Crystal ist das unschuldige, zarte Wesen, das durch die Patriarchen um sie herum in Mord, Sex und allerlei anderer Versündigungen getrieben wird. Jeder Mann in ihrem Leben entpuppt sich erschreckenderweise als Gegner und Ausbeuter des weiblichen Geschlechts. Ihr Freund zerstört die Beziehung durch seine kriminellen Aktivitäten und selbst bei ihrem geliebten Vater findet Crystal kein Verständnis und null Unterstützung. Doch dieser leicht sexistische Unterton war sicherlich zufällig. Es ging Doris Wishman wohl eher darum, Chesty Morgans monströse Ausnahmebrüste zu filmen, als eine Studie über das Unverständnis des Feminismus zu drehen.

Und so beschränken sich die filmischen Qualitäten auch auf ein Minimum. "Teuflische Brüste" ist, wie nicht anders zu erwarten, ein billiger Sleazefilm, ziemlich hakelig geschnitten und mit verwackelter, hin und wieder hinreißend unscharfer Handkamera gefilmt. Das schauspielerische Niveau ist dermaßen tief, dass man sich fragt, ob die Sätze, die die Typen ohne Gestik oder Mimik aufsagen, wirklich einem ernst gemeinten Drehbuch entstammten. Wenn funky urheberrechtslose Soundtrack-Musik dudelt, während Frau Wishman mit ihrer Wackelkamera eine Auswahl der hässlichsten Tapeten und Teppichen – und Brüsten – aufnimmt, dann haben nur zwei Arten wirklich Freude an diesem Filmmüll: Die oben bereits erwähnten Busenfetischisten und die Freunde extremer Trashunterhaltung ohne Sinn und Verstand.