Originaltitel: Spielen wir Liebe. West-Deutschland/Italien, 1977. Regie: Pier Giuseppe Murgia. Drehbuch: Pier Giuseppe Murgia. Produktion: Franco Cancellieri. Kamera: Lothar E. Stickelbrucks. Musik: Giuseppe Caruso, Jürgen Drews. Darsteller: Lara Wendel (Laura), Eva Ionesco (Silvia), Martin Loeb (Fabrizio). Farbe. 91 Min.

 


Wenn man all die Artikel und Zeitungsausschnitte zusammensammeln würde, die sich mit Pier Giuseppe Murgias Film "Spielen wir Liebe" und dessen Kontroverse auseinandersetzen, so würde das Buch, das man daraus bindet, sicherlich dicker und gehaltvoller als das Drehbuch nachdem dieses Machwerk Ende der Siebziger entstanden ist. Als der Film in den Kinos erschien wurde es zum diskutierten Skandalfilmchen, nachfolgende Videoveröffentlichungen waren gekürzt, und schnell entstand ein Kult um den Streifen, und man nannte "Spielen wir Liebe" den "meistgesuchtesten Film aller Zeiten".

Der Regisseur Murgia ist ein Schriftsteller, dessen frühe Belletristik die gleiche Thematik innehatte, wie jetzt sein erster Spielfilm: Die Pubertät. Er inszeniert drei minderjährige Darsteller, zwei Mädchen und einen Jungen, die sich jeden Tag in den Ferien in einem Wald treffen, und spielen. Da alle drei auf dem besten Wege sind, erwachsen zu werden, hat sich ihr Spiel gewandelt. Grausam und sexistisch sind sie geworden. Der Junge Fabrizio (Martin Loeb) lebt auch nachtsüber in dem Wald, scheint sich von allen erzieherischen Regularien verabschiedet zu haben, und möchte mit Hilfe der Mädchen punkige Anarchie in dem Wald aufleben lassen - mit ihm als König des Waldes.

Doch beide Mädchen sind guterzogene Töchter, die nach dem Spielen immer wieder zu ihrem Zuhause heimkehren, und den verwirrten Fabrizio im Wald alleine lassen. Laura (Lara Wendel) kennt Fabrizio schon seit Langem, und es scheint Tradition zu sein, dass sich beide in den Ferien in jenem Wald zum Spielen treffen. Doch sie ist erschreckt von der neuen, düsteren Seite Fabrizios, ebenso aber auch verwirrt, als beide in einer alten Ruine die Freuden der körperlichen Liebe entdecken. Fabrizio wird immer säuerlicher auf Lara, bis er in Silvia (Eva Ionesco) eine neue Spielgefährtin findet, die all seine sadistischen Ideen an Laura mit Freude mitmacht, und sich auch nicht sträubt ständig mit ihm zu schlafen. Als das Ende der Ferien naht, greift Fabrizio zu einem Trick, um seine Silvia für sich zu behalten...

Aber man könnte den Inhalt auch folgendermaßen zusammenfassen: Drei Kinder rennen den ganzen Tag ziellos im Wald herum, die Mädchen ziehen sich ab und an aus. Das war's. Mehr hat dieses grauenhafte Stück Zelluloid wahrlich nicht zu bieten. Die Dialoge sind grauenhafte, pseudo-psychologische Phrasen, die Regisseur Murgia bestimmt wahllos aus Ergebnissen beim Scrabble-Spiel zusammengesetzt hat. Auch besitzt "Spielen wir Liebe" überhaupt kein Tempo. Die Geschichte kommt nicht vorwärts, sondern dreht sich immer wieder im Kreis, bis sie letzten Endes in einer peinlichen und unfassbaren Sackgasse endet. Der gesamte Inhalt, der vorgaukelt, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Problemen der Kindheit und der Pubertät zu sein, ist nichts sagend und leer.

Und natürlich bilden die Nacktszenen der minderjährigen Darstellerinnen das Zentrum des gesamten Films. Die Kontroverse ist vollkommen berechtigt: Wie hier Lara Wendels und Eva Ionescus nackte Körper inszeniert werden, ist bedenklich und sicherlich nicht im organischen Einklang mit der zu erzählenden Geschichte. Man denke nur an die schrecklich voyeuristische Szene, in der Lara Wendel sich auszieht, nur um sich ein rotes Kleid überzustreifen, und sich im Spiegel zu betrachten. Weder addieren die Sex- und Nacktszenen einen besonderen Sinn und psychologische Tiefe zu dem Plot, noch steuert die Geschichte inhaltlich derart zwanghaft auf eine notwendige Nacktheit seiner Hauptdarsteller hin. Wenn die Ionescu und die Wendel sich vor der Kamera ausziehen, dann geschieht das schlichtweg nur zu ausbeuterischen und voyeuristischen Zwecken, und der Film zeigt sein wahres Gesicht. Nämlich das eines billigen Sexfilmchens.

Völlig im Gegensatz zu der Szene, in der ein Vogel von Pfeilen durchbohrt wird, sind die Sexszenen wahrlich problematisch und führten anscheinend auch zu psychologischen Problemen bei den jungen Darstellern. Denn während Murgia in einem Nichts von einer Geschichte ohne jedes Tempo dahindümpelt, sind es immer wieder die Szenen geschmackloser Nacktheit, die in den Kontext erzwungen worden sind. Da die Sexszenen nie als notwendiger Bestandteil der langweiligen Geschichte gedreht werden, und da Murgia oft erbarmungslos seine Kamera auf den Schambereich seiner zwölfjährigen Darstellerin hält, kann man sich dem Vorwurf, der Film sei für Päderasten gemacht, nicht entziehen.

Während die Verteidiger dieses Schunds dem Film das Gütesiegel "Psychodrama" verpassen wollen, wird jeder halbwegs objektive Zuschauer bemerken, wie makaber und miserabel der Film mit seinen viel zu jungen Protagonisten umgeht. Nicht jede filmische Kontroverse aus den Siebzigern ist unbegründet, und nicht jede Kontroverse ist auch ein Beweis für besonders hochtrabende Filmkunst. "Spielen wir Liebe" ist leider nichts weiter als ein kleiner, dreckiger, vollkommen langweiliger Film, der sich gegen Mitte in seinen Nacktszenen verliert.