Originaltitel: Jigureul jikyeora!. Südkorea, 2003. Regie: Jeong Jun-hwan. Drehbuch: Jeong Jun-hwan. Produktion: Cha Seoung-jae, Kim Sun-ah, Lee Kang-bok. Kamera: Hong Kyung-po. Schnitt: Park Gok-ji. Musik: Lee Dong-jun. Darsteller: Shin Ha-kyun (Lee Byeong-gu), Baek Yun-shik (Kang Man-shik), Hwang Jeong-min (Su-ni), Lee Ja-yong (Choo), Lee Ju-hyeon (Kim). Farbe. 118 Min.
Die koranische Filmindustrie hat uns schon immer herausgefordert mit Filmen, die schwer zu kategorisieren sind, und bei deren Betrachtung man nur schwerlich absehen kann, worin die Storyline mündet. Einige Genrezwitter haben wir nun schon überstanden, und einige davon haben uns wirklich gut gefallen. Nun ist es an Jun-hwan Jeong, der bereits den Hit "Phantom - The Submarine" schrieb, uns filmisch herauszufordern. Mit seinem Spielfilm-Debüt "Save the Green Planet" gelingt ihm der akrobatische Spagat zwischen zig Genres, als da wären: Science-Fiction, Drama, Thriller, Komödie, "2001 - Oddyssee im Weltall"-Parodie und Actionfilm. Wenn man es genau nimmt, haben wir hier sogar noch eine Prise Copthriller.
Die Geschichte erzählt von Byun-gu (Ha-kyun Shin), der beeinflusst von sensationalistischen, pseudo-wissenschaftlichen Büchern über Alieninvasionen, meint, er wäre der einzige lebende Mensch, der im Stande wäre, die bevorstehende Übernahme der Erde durch die Rasse der Andromedaner zu verhindern. Die Zeit drängt, denn laut seiner Theorie soll die Erde bei der nächsten Mondfinsternis bereits zerstört werden. Um die Invasion zu verhindern, tritt Byun-gu mit der Hilfe seiner pummeligen Seiltänzer-Freundin Sooni (Hwang Jeong-Min) selber in Aktion: Der Leiter eines Chemielaboratoriums, Kang Man-shik (Yun-shik Baek), ist der Wolf im Schafspelz; einer der einflussreichsten Außerirdischen, die unter dem Tarnmantel einer Homo-sapiens-Hülle fiese, intergalaktische Intrigen spinnen. Byun-gu kidnappt Man-shik, und bringt ihn in seine selbst erbaute Forschungsstätte, die allerdings weniger wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, als dass sie Byun-gu als Folterwerkzeug dient.
Denn was so scheinbar harmlos, verschmitzt ulkig beginnt, entwickelt sich schon bald zum grausamen Horrortrip. In den Szenen, in denen Man-shik den irren Einfällen Byun-gus ausgesetzt ist, fühlt sich der Film ganz und gar nicht so an, wie uns die Filmposter und die Promotions lassen wollten. Auf dem offiziellen Filmplakat sehen wir Byun-gu, in seiner lächerlichen selfmade Anti-Alien-Uniform, vergnügt in die Kamera lächeln. In der Hand hat er eine Tinktur, die in den anfänglichen Szenen für bedrückenden Schmerz sorgen wird. Nichts ist zu sehen von dem angepriesenen Humor, nur hin und wieder flammt Schwarzer Humor auf, der aber nie zu herzhaftem Lachen einlädt, sondern auf derart böse Weise eingesetzt wird, dass uns buchstäblich das Lachen im Halse stecken bleibt.
Oftmals ist "Save the Green Planet!" wirklich keine leichte Kost. Blut, graphische Gewalt, und so manchen Spezialeffekt, der wirklich grausam realistisch erscheint. In einer Szene muss der wie Jesus an ein Kreuz genagelte Man-shik all seinen Mut und seine Kraft aufbringen, um sich während der Abwesenheit des psychopathischen Kidnappers von seinem Martyrum zu befreien: Er überwindet mit seinen Händen das Ende der Nägel und hat endlich wieder Armfreiheit, auch wenn zwei ekelhafte, blutige Löcher in einen Händen klaffen. Für Leute, die auf die verblödete Promotion, "Save the Green Planet!" sei eine verschrobene Komödie mit romantischen Anleihen, hereingefallen sind, wahrlich harter Tobak.
Jedoch gibt es einen Hoffnungsschimmer: Während Man-shik versucht mit Tricks, Gewalt oder wahlweise auch gutem Zureden sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, sind bereits zwei Cops - ein Gespann aus düsterer Polizeilegende und seinem jungen Bewunderer, wie aus einem Buddy-Movie - dem Kidnapper auf den Fersen. Das ungleiche Geflecht, das hier zwischen den beiden Polizisten gespannt wird, ist sicherlich nicht vollkommen filmisch ausformuliert, reicht aber aus, um den beiden Männern genug charakterliche Tiefe zu bescheren, um mit ihnen mitzufiebern.
Natürlich ist gerade ein Film wie "Save the Green Planet!" prädestiniert für reichhaltige Storywendungen. Und ja, es gibt sie. Zu keinem Moment im Film mag man nur absehen können, mit was für einer Szene die Story letzten Endes den Vorhang fallen lässt. Obwohl der komödiantische Faktor mit zunehmender Laufzeit verschwindend gering wird, sind es jene finalen Szenen, die nicht nur nachdenklich, wie bitterlich amüsant wirken. Bevor der Zuschauer aber zu jener Atmosphärenkomposition kommt, muss er durch ein deprimierendes Psychogramm eines verwirrten Menschen warten. In welche Richtung der Film auch ausschlägt - Der Zuschauer hat nicht einmal die Chance nur annähernd vorauszusagen, in welche Richtung sich die Erzählung nun wendet.
Optisch ist "Save the Green Planet!" eine überraschend stilisierte Mixtur, in Verbindung mit der aparten Story und ihrer Narration, am besten mit den Filmen Terry Gilliams zu vergleichen. Regisseur Jun-hwan Jeong arbeitet hier mit künstlichen Farben wie ein starkes Grün und vorherrschendes Blau. High-Tech-Farben, so unnatürlich wie in beispielsweise "Tell me something". Aber ebenso verspielt und virtuos, wie Jean-Pierre Jeunet in "Die fabelhafte Welt der Amelie", wenn er kurze Erklärungen über die Alienwelt Bilderbuch-konforn visualisiert, oder immer wieder das Bild an sich weg von einem naturalistischen Look auf das Geschehen wegbewegt und es anfüllt mit zusätzlichen, künstlichen Informationen.
Auch wenn "Somewhere over the Rainbow" zu Anfang in einer Punkversion gespielt wird. Der Film ist zu keiner Zeit so lustig und unbekümmert wie jener Song. Es ist ein deprimierender Kommentar auf unser Leben, auf die Soziopathen unter uns, und auf den Unterschied zwischen normalen und verrückten Menschen. Und wie sehr man sie schon bald nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Besonders dank Hauptdarsteller Ha-kyun Shin, der zuvor in "Sympathy for Mr. Vengeance" als Taubstummer begeisterte, verkommt der Film nie zu einem albernen Comic, sondern bleibt immer ernsthaft. "Save the Green Planet!" ist ein Genremix von höchster Qualität. Ein wahrlich origineller Film, technisch und schauspielerisch auf hohem Niveau, und inhaltlich so intelligent, trübsinnig, so hintergründig, beobachtend und komisch - so genial.