Obwohl mit dem Titel "Mein liebster Feind" Klaus Kinski gemeint ist, ist dieser Dokumentarfilm weniger ein Porträt Kinskis, als ein Porträt der Freundschaft zwischen eben diesem und seinem fünfmaligen Regisseur Werner Herzog, der nun auch diese interessante Biographie filmte und weitestgehend vor der Kamera erzählt. Gemeinsam drehten die beiden Männer "Aguirre, der Zorn Gottes", "Woyzeck", "Nosferatu", "Fitzcarraldo" und "Cobra Verde" – und es waren genau diese Filme, die Kinskis Leben, Charakter und Werk eher widerspiegelten, als die unzähligen Italowestern oder Edgar-Wallace-Krimis, durch die der manische Schauspieler so berühmt geworden ist. Über die ganz besondere Beziehung zwischen den beiden Männern berichtet nun diese erstaunliche Dokumentation.

Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass Werner Herzog sich hier erstmalig selbst inszeniert. Er steht selber vor der Kamera und spricht von seinen Erinnerungen und Erfahrungen an und von Dreharbeiten mit jenem egomanischen, schwierigen und tobsüchtigen Mann. Herzog ist der Mann, der Kinski am Set von "Aguirre, der Zorn Gottes" androht, er würde ihm acht Kugeln durch den Kopf jagen, würde er vorzeitig die Dreharbeiten verlassen – die neunte Kugel würde er für sich selber aufheben –, aber auch der Mann, der sich angesichts von Dokumentaraufnahmen aus den Achtzigern, in denen man beide Männer scherzend auf einem Filmfestival in freundschaftlicher Gemeinsamkeit sieht, er könne noch einmal seinen Arm um Kinski legen und diese Tage wieder erleben. Eine Hassliebe also, die immer wieder verdeutlicht wird: Morddrohungen wechseln sich mit Küssen ab, Beleidigungen mit Verehrungen. Und genau von dieser Zeit spricht Herzog mit uns und mit Wegbegleitern wie Eva Mattes, Claudia Cardinale oder Beat Preser. Oder auch Schauspieler Justo Gonzáles, der von einem Wutausbruch Kinskis, der sich in Schwertschwingerei äußerte, noch heute eine Narbe an der Stirn trägt – hätte er damals bei dem Dreh nicht einen Helm getragen, Kinski hätte ihn totgeschlagen. Dabei bleibt Herzog aber nie passiv in der Rolle des Interviewers, wie in früheren Dokumentationsfilmen, sondern belebt den Dialog oft durch eigene Erinnerungen und Sichtweisen.

Völlig konträr zu der Stilisierung als Wahnsinniger, dessen laute Schmähschreie südamerikanische Statisten sie dazu bewegten, Herzog anzubieten, Kinski eigenhändig zu ermorden, stehen dabei die wohlwollenderen Erinnerungen seiner weiblichen Filmpartner: Sowohl Mattes, als auch Cardinale berichten von ihm als einen zurückhaltenden, angenehmen, nahezu liebevollen und vollkommen professionellen Schauspieler. Jene Sensibilität und Ruhe des privaten Kinskis finden wir im gezeigten Archivmaterial nur einmal repräsentiert: In den letzten Filmbildern von "Mein liebster Feind" sehen wir den Schauspieler, wie er unter der Sonne Südamerikas konsequent von einem Schmetterling angeflogen wird. Kinski spielt mit ihm und das elegante Tier ruht auf seiner Stirn oder seiner Hand. Dabei kommen wir dem Mythos Kinski oder dem Mensch Kinski jedoch kaum näher. Dies ist allerdings wohl auch zu keiner Minute die Intention Herzogs. Dieses Porträt zweier Künstler ist vor allem auch ein Porträt einer Epoche des Neuen Deutschen Films und wie er endete. Herzog berichtet davon, wie ausgebrannt und leer Kinski im nach dem anstrengenden Ende von "Cobra Verde" vorkam – Kinski sollte danach auch nur noch in einem – seinem eigenen – Film mitspielen. "Paganini", der Film, den Herzog ablehnte zu inszenieren, war das Erbe Kinskis. Herzog selber zog es danach vermehrt ins Ausland und bekam nie wieder die ihm zustehende Publikumsaufmerksamkeit wie zu den Tagen, in denen er noch mit Kinski drehte. Bis zu diesem erfolgreichen, wie interessanten Dokumentarfilm.