Die Achtziger: New-Wave-Musik, Schulterpolster und Frisuren die jegliche Symmetrie vermissen lassen. In "Liquid Sky" ist die Beobachtung der "New Wave"-Punkszene aber auch zugleich Schauplatz für eine Alieninvasion. Ein Raumschiff, so groß wie ein Teller, landet in New York, auf der Suche nach Heroin. Doch die Außerirdischen entdecken eine andere Chemikalie, deren berauschende Wirkung noch intensiver ist, als Heroin: Molekular fast identisch, aber nicht künstlichen Ursprungs, sind die Pheromone, die im Gehirn der Menschen während des Orgasmus erzeugt, für die Aliens von noch größerem Interesse. Deshalb quartieren sie sich unbemerkt in dem Penthouse-Appartement des Gegenkultur-Models Margaret ein, die schier ständig Ziel sexueller Avancen ist.

Margaret selber hat keine Freude am Sex und lebt in einer lesbischen Beziehung mit der kleinwüchsigen Adrian, die hauptberuflich in einer Punkdisco selbst geschriebene, autobiographische Lieder zum Besten gibt und Drogen verkauft. Margaret ist eine lesbische Achtziger-Feministin, vor ihrer drohenden WASP-Zukunft zwischen Barbecues und Ehemann, hinein in eine verlotterte Glamourwelt gerettet, wartet sie auf ihren Durchbruch als Schauspielerin. Während andere sie als "anders" und "eigenartig" sehen, lebt sie ihre Punk-Attitüde mit jedem Atemzug, sieht sich selber als Individuum mit Geist und Identität, das nicht einfach nur auf die Befehle der Gesellschaft reagiert.

Das Avantgardewesen Margaret, das sich selber als "nicht weniger androgyn als David Bowie" bezeichnet, wird von Anne Carlisle dargestellt, die auch am Drehbuch zu "Liquid Sky" beteiligt war. Carlisle ist in einer Doppelrolle zu sehen: Sie spielt auch den männlichen Gegenpart zu Margaret, das drogensüchtige Model Jimmy, der nichts für Margaret übrig hat. Beide scheinen sich zu hassen, halten den jeweiligen Gegenüber für hässlich, obwohl sie durch die Castingpolitik nahezu identisch wirken. Der offenbar schwule Jimmy ist aber weiterhin nicht im Stande, erfüllenden Sex zu haben, während Margaret nur unbefriedigende Quasivergewaltigungen über sich ergehen lässt. Beide Figuren sind von Subkulturen verwirrte Opfer ihrer selbst.

Um dem Zuschauer zu erklären, warum alle Geschlechtspartner Margarets nach dem Höhepunkt versterben, lässt Regisseur Slava Tsukerman einen deutschen Wissenschaftler namens Johann Hoffman auftreten, der die Gefahr der außerirdischen Invasoren und ihrer Abhängigkeit von menschlichen Orgasmen längst erkannt hat. Sein einziger Kontakt in New York, der Professor Owen, verweigert ihm zunächst die Hilfe um selber kurze Zeit darauf Opfer der Alien-Sexkiller zu werden. Johann kommt per Zufall bei Jimmys Mutter Sylvia unter, die sich nach Shrimps und Alkohol an dem Wissenschaftler mit dem gebrochenen Englisch vergehen möchte. Johann ist begeistert von Sylvias Wohnung, hat er doch aus ihrem Fenster heraus beste Sicht auf das Appartement von Margaret und Adrian. Er ist fest dazu entschlossen, einzuschreiten, sobald es gefährlich für die beiden Frauen wird. Als Margaret jedoch entdeckt, dass die Außerirdischen jede Person umbringen, die durch sie den sexuellen Höhepunkt erreichen, nutzt sie dieses Wissen für eine feministische Revanche…

Tsukermans Punk-Film ist zwar weitestgehend krude genug, um den Zuschauer von Interesse mit seinen parodistischen, grellen Ideen zu verzaubern und zu unterhalten, hat aber so viele Schwachpunkte, dass der Angriff auf Tsukermans Filmkonzept leider ein Muss ist. Das Drehbuch des Low-Budget-Science-Fiction-Film sieht zwar so einige prätentiös anmutende Dialoge vor, jedoch wird durch die durchweg enttäuschende Darbietung der Darsteller jedes Wort entwertet. Und wenn mal nichts gesagt wird, dudelt im Hintergrund eine haarsträubende Synthesizermusik, die ohne Probleme in eine Liste der schlechtesten, die Nerven belastenden Scores der Filmgeschichte Einzug halten würde.

Die schrillen Kostüme, das aufdringlich "andersartige" Make-up und die vielen, außergewöhnlich kolorierten Alien-Effekte lassen "Liquid Sky" zumindest in einem optisch ansprechenden Look erscheinen. Als Abbild des Punk-Undergrounds der frühen Achtziger mag "Liquid Sky" daher recht gut funktionieren, um als Science-Fiction-Gegenstück zu dem niedlichen, im selben Jahr entstandenen "E.T." jedoch bei dem Gegenkulturpublikum wirklich zu punkten, da fehlt es dem etwas überambitionierten Film deutlich an Substanz oder Budget um entweder die Schönheitsfehler des überfrachteten Drehbuchs oder die technische Seite glatt zu bügeln.

Tsukermans "Liquid Sky" ist ein punkiges Möchtegern-Mindight-Movie, eine dekadente Aussicht in eine Welt, in der Fetische, Geschlechter übergreifende Sexualitäten und ständige Drogentrips zu einer Skandalbewegung werden, ohne jene Punkinteressen zu hinterfragen oder näher zu beleuchten. Für einen distanzierten Blick auf jene Szene sind leider die Figuren des Films, die nicht direkt zur Punkbewegung gehören, viel zu blass. Und so bleibt ein Film über eine Alieninvasion, die größtenteils im Unsichtbaren bleibt. Für bunte Bilder ist dieses Achtziger-Dokument sicherlich gut, für mehr als bloßes eye-candy jedoch, reicht es nicht aus.