Originaltitel: Byt. Alternativtitel: Appartement, L'. Tschechoslowakei, 1968. Regie: Jan Svankmajer. Drehbuch: Jan Svankmajer. Produktion: Erna Kmínková, Jirí Vanek. Kamera: Svatopluk Malý. Schnitt: Hana Walachová. Musik: Zdenek Liska. Darsteller: Ivan Kraus (Josef), Juraj Herz (Besucher). Schwarzweiß. 13 Min.
Ein Mann wird in einen Raum hineingestoßen und erlebt eine surrealistische Hölle. Die kleine, karge Wohnung in der er sich nun befindet ist scheinbar gegen den Menschen. Alles hat sich gegen ihn verschworen: Der Spiegel zeigt ihm nur sein Hinterkopf, die Bilder an der Wand lassen sich nicht gerade hängen, der Stuhl verkleinert seine Beine, sobald der junge Mann auf ihn tritt, auch das die Kerze im Inneren des kleinen Stövchens lässt sich nicht anzünden, sondern spuckt lieber Wasser aus. Ein Esstisch steht in der Mitte des Zimmers – doch die Suppe kann er nicht essen, da der Löffel urplötzlich mit Löchern übersät ist, das Ei kann er nicht pellen, da sowohl Eierhalter als auch Löffel an dem stählernen Ei zerbrechen und das Bierglas verwandelt sich in eine kleine Miniaturausgabe seiner selbst, als der Mann es durstig an seine Lippen führt. Als er sich entnervt schlafen legen will, verwandelt sich sein Bett in Holzstaub. Und schließlich versuchen ihn aus den Wänden heraus sprießende Nägel ihn an den weißen Mauern des einfachen Appartements festzutackern. Der einzige Ausweg aus der alptraumhaften Wohnung ist eine Tür, auf die viele auf den Boden gezeichnete Hinweispfeile deuten. Doch der Türgriff bricht ab, die Flucht bleibt unmöglich.
Ist das leicht schwarzhumorige Setting einer leblosen Welt in der sich die Objekte ihrer eigentlichen produktiven Bestimmung entledigen und gegen den Menschen agieren, prinzipiell schon surrealistisch genug, setzt Jan Svankmajer in seinem kleinen Schwarzweiß-Meisterwerk "The Flat" noch einen drauf: Die Gegenstände scheinen Komplizen in Form von anderen Menschen zu haben: Ein in Anzug gekleideter Herr (Regisseur Juraj Herz) betritt leichten Fußes, fast schwebend (die Szene ist in Zeitlupe wiedergegeben und erinnert somit an Clairs "Entr'acte") die Wohnung und hält einen Hahn bei seinen Füßen. Er übergibt dem irritierten Mann eine Axt und verlässt den Raum wieder auf dieselbe mystische Art und Weise, wie er zuvor hereingekommen ist.
Die Pointe dieses faszinierenden, kafkaesken Kurzfilms ist ebenso grandios und surrealistisch, wie die vorhergehenden zwölf Minuten. Svankmajer sucht hier nicht wie in seinen ausgelasseneren Werken wie "Punch and Judy" oder "The Last Trick" nach besonders hübschen, bunten Bildern, sondern verfilmt ein alptraumhaftes Szenario mit kargen Schwarzweißbildern. Wenn unsere alltäglichen Gebrauchsgegenstände sich nicht mehr von uns gebrauchen lassen, sondern aktiv gegen den Menschen vorgehen, ist unser Ende besiegelt. Der einzige Gegenstand in dem Raum, der seiner Bestimmung nach angewandt werden kann, ist der Bleistift, mit dem sich der Mann auf einer Wand voller Namen bereits an dem Raum gescheiterter Menschen einträgt. Wenn das Benutzen dazu beiträgt den Menschen zu zermürben, rebelliert das Objekt nicht. Svankmajers Film ist großartig und sehr schnell fotografiert und beinhaltet feine Animation, sowohl von dem Mann an sich und von den aktivierten Objekten. Technisch und inhaltlich ist "The Flat" ein Svankmajer-Hochgenuss und eines seiner surrealistischsten Werke.