Originaltitel: Film Exercise #1. USA, 1943. Regie: John Whitney, James Whitney. Farbe. 5 Min.
John Whitneys schwieriges und höchst abstraktes Filmexperiment "Film Exercise #1" besteht lediglich aus synthetischen Bildern und Tönen – keine der Sinnesstimulanzen des Films sind durch Kamera oder Mikrofon aufgenommen worden. Die Bilder sind direkt auf den Filmstreifen aufgetragen, die Sounds sind Lichttöne. Der Film an sich, ein fünfminütiger Tanz verschiedener abstrakter Figuren, die sich permanent in Form, Position und Farbe verändern, ist die Untermauerung Whitneys Theorie der "visuellen Musik", die besagt, dass rhythmische Bilder dem Menschen die gleiche emotionale Sinnesbefriedigung wie Musik geben können.
In diesem Fall wird die Kluft der Rhythmik zwischen Bild und Ton deutlich: Die Töne, die keine erfassbare Melodie spielen, unterstützen die Bilder nur selten synchron, sondern scheinen, wie in einem Dialog viel mehr auf die Veränderungen zu reagieren. Während die Töne uns desorientiert und wenig zugänglich vorkommen, können wir mit den eleganten, wenn auch nicht gegenständlichen Bildern etwas anfangen. Ihre konstante Bewegung und Modifizierung in Farbe und Umfang erscheint uns als schön. Die Natürlichkeit des Ursprungs des abgebildeten und abstrakten Lichts und die Unnatürlichkeit des Tons bieten einen intelligenten Kontrast. "Film Exercise #1" ist revolutionär in der Erschaffung "visueller Musik" und als Meisterwerk des abstrakten, elektronischen Films.