Fünf Jahre nach seinem Misserfolg mit "Der Herr der Ringe" kehrte Ralph Bakshi mit "Feuer und Eis" ins Fantasygenre zurück. War Bakshi bei der Tolkien-Verfilmung mit der Komplexität der Vorlage überfordert, ging er diesmal nicht das Risiko ein, sich mit einer allzu tiefgehenden Geschichte auseinanderzusetzen. "Feuer und Eis" ist formelhafte Fantasy ohne Innovationen oder Besonderheiten. Der starke, muskelbepackte, blonde Held trifft im unwegsamen Hinterland auf eine sexy Prinzessin, die sich gerade aus der Gefangenschaft einer durch einen Tyrannen befehligten Tierwesengruppe befreite. Gemeinsam versuchen sie die Monster und Gefahren dieser Umgebung zu meistern, werden getrennt - und im finalen Kampf natürlich wieder vereint. Zwischendurch gibt's Hexen, mysteriöse Verbündete und ansonsten fast alle Fantasy-Klischees, die einem einfallen mögen.

Doch Bakshi legt bei "Feuer und Eis" gar nicht viel Wert auf eine umfangreiche, interessante, oder gar tiefgehende Geschichte. Er inszeniert "Feuer und Eis" lieber pausenlose, drastische Kämpfe und Schwertduelle. Wieder nutzt Bakshi die unter Zeichentrickfilmern verpöhnte Technik der Rotoskopie (er paust Bewegungsabläufe und Gesichter von Live-Action-Footage ab), schafft dabei tolle Actionszenen und einige wirklich eindrucksvoll Mimiken - der wahre visuelle Held heißt hier allerdings Frank Frazetta, der erst die ansprechenden, düsteren Designs entwarf, die Bakshi hier in Bewegung setzt.

Wer meint, Bakshi würde sich zwischen den zahlreichen Actionsequenzen die Zeit nehmen, und eine auf unser Leben übertragbare Botschaft vermitteln, der irrt. Kommt es mal nicht zu blutigen Handgemengen, so konzentriert sich Bakshi sehr auf die physikalisch korrekt dargestellte Attraktivität seiner beiden leicht bekleideten Hauptfiguren. Man könnte ihm vorwerfen, es wäre ihm wichtiger, das Wippen der Brüste Teegras realistisch umzusetzen, als eine wirklich halbwegs interessante oder neue Geschichte zu erzählen. Mit all der Gewalt und all der Erotik bei "Feuer und Eis" jedoch verliert er zumindest das minderjährige Publikum aus den Augen, schafft aber keine Metaebene, um das erwachsene Publikum zu begeistern.

Trotz alledem unterhält Bakshis kleiner Fantasyfilm sehr ordentlich. Obwohl die Story kaum einfältiger im "Malen nach Zahlen"-Stil aus sämtlichen anderen Fantasyklischees zusammengeraubt sein könnte, wird sie dank des rasanten Tempos, das Bakshi hier vorlegt, richtig spannend. Sogar der aufgeplusterte Showdown, der zwar ganz schön aus "Krieg der Sterne" abkupfert, darf als gelungen angesehen werden. Doch mehr als ein kurzweiliges Abenteuer, das seine möglichen Zielgruppen über-, beziehungsweise unterfordert, ist "Feuer und Eis" dann leider doch nicht – dafür bleibt die Geschichte zu eindimensional und die Dialoge zu lächerlich.