In Jean Rollins Welt wird eben diese vom Bösen beherrscht und jegliches Miteinander der Menschen ist von Jähzorn, Wut, Missgunst und Eifersucht geprägt. So erscheint zumindest Rollins Weltanschauung durch seinen dramatischen Horrorfilm "The Demoniacs", der wie ein züchtiges Abenteuer-Serial für den Sonntagnachmittag beginnt und in einem völlig surrealen Horror endet.

Rollin eröffnet "The Demoniacs" mit Irismasken, die die Porträts der vier Hauptdarsteller zeigen. Mit moralisch mahnender Stimme erklärt eine Erzählerstimme die vier Personen uns ihre Verbindungen zueinander. Alle vier sind niederträchtige Strandräuber, die Schiffe im Dunkeln auf Felsen laufen lassen, um die Wracks dann zu plündern. Tagsüber tarnen sich die brutalen Brandschatzer und Vergewaltiger als halbwegs normale Trunkenbolde im französischen Kaff, abends sind sie der der ländliche Schrecken aller zur See fahrenden Männer und Frauen. Nachdem Captain, Bosco, Paul und Tina zwei Jungfrauen übermannten und vergewaligen, kippt jedoch ihre verbrecherische Sorglosigkeit in pure Paranoia: Im Alkoholdelirium phantasiert sich insbesondere der Captain Schreckensbilder von wandelnden Toten, in der Haut der beiden Jungfrauen, in seine Wirklichkeit. Gebeutelt von der Vorstellung, dass sich beide Frauen aus dem Jenseits heraus rächen wollen, kehrt das Quartett an den Strand zurück und versucht den beiden Mädchen auch noch den letzten Lebensfunken auszuhauchen.

Regisseur Rollin scheint ein Zyniker zu sein, denn er inszeniert den Untergang von sechs Menschenleben als eine Reihe von haarsträubenden Zufällen: Wären die Strandräuber am Abend nicht derart exzessiv dem Alkohol zugeneigt, hätten sie wahrscheinlich nie halluziniert und die beiden Mädchen wären mit einem traumatischen Schrecken davon gekommen. Doch es treibt diese vier Männer zurück an den Tatort um weiteren Schrecken zu verbreiten. Hier gelingt es jedoch nicht, die Mädchen zu töten. Diese fliehen jedoch auf ein verwunschenes, felsiges Eiland, ganz in der Nähe. Und hier kommt Rollins zweiter zynischer Twist zum Tragen: Die Mädchen erfahren zwar auch die Hilfe und Rettung, die sie sich von den Inselbewohnern erhoffen, aber auch eine Aussicht auf Rache – und somit eine Aussicht auf weitere Pein und Gewalt.

Die verwunschene Insel wird von einem übernatürlichen Magier bewohnt, den die Dorfbewohner für den Teufel halten. Seine Untergebenen sind ein rauschebärtiger Hippie-Priester und eine pantomimische Clownsfrau. Am Abend schläft der Magier mit beiden Mädchen um ihnen seine übernatürlichen Kräfte bis zum Morgengrauen zu übertragen. Doch bei ihrer unbeholfenen Racheodyssee kommen die beiden Untergebenen des Magiers zu Tode. Um Priester und Clown wieder zum Leben zu erwecken, benötigt der Magier seine Kraft und schickt die beiden Mädchen unverrichteter Dinge zurück in die Freiheit, wo sie aber sofort auf die immer noch blutdürstigen Strandräuber treffen.

Rollins hyperbolische Kettenreaktion ist ein phantasmagorischer Film, so unwirklich und gleichzeitig folkloresk wie eine Piratenschauermär. Und genau darin liegt die Motivation der blinden, perversen Räuber begraben: Captain und seine Mannschaft lassen sich vom alten Aberglauben blenden, glauben an Geistermärchen und verfallen in einem nahezu infantilen Angstzustand, der sie aber erst recht ins Unglück und in die Konfrontation mit übernatürlichen Mächten schickt. Er und besonders seine Freundin Tina gehören zu der Gruppe Dörflern, die sich von den gruseligen Mystiken, über die eine Bardame gerne schwadroniert, beeindrucken lassen. Sie haben Angst vor der Insel des Magiers, wähnen Satan persönlich in den Gruben der Insel. Dass dies durchaus der Fall sein könnte und dass gerade ihre nur zum Selbstschutz aufgesetzte Religiosität ihnen zum Verhängnis wird, zeigt folgende spöttische Sequenz: Die beiden "Demoniacs" nutzen ihre Kräfte, um Statuen auf die hilflose Tina herabfallen zu lassen. Die meisten Heiligenbilder verfehlen sie, jedoch die Marmorabbildung von Jesus Christus schlägt sie nieder und legt sich, wie beim Geschlechtsakt, derart schwer auf ihren Körper, dass sie nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft wieder aufzustehen.

Rollins Horrorvariante des glamourösen Hollywood-Piratenfilms beginnt zwar wie ein typisches, leichtes Abenteuer, wirkt aber schon zur Halbzeit wie eine Comic-Variante jener Vorbilder. Die vier Antagonisten wirken wie eine überkandidelte Mischung aus "Popeye" und "Godzilla", benehmen sich eher wie kindliche Seeräuberkarikaturen, als die brutalen Tiere, die sie doch eigentlich sind. Die psychologische Erklärung, die der Vorspann noch per Voice-over-Erzählung bietet, wird nie wirklich in die Narrative eingesponnen und die Figur, die am meisten Leinwandzeit bekommt, ist konsequenterweise die einzige weiblichen Geschlechts. Joelle Coeur als Tina spielt dafür nahezu jede Szene halbnackt.

Aber gerade deshalb funktioniert "The Demoniacs" auf der Leinwand. Rollin nutzt Film nicht als Spannungs- oder Unterhaltungsmedium, sondern kreiert eine völlig surreale, eigenwillige Vision von Horror, Fleisch und Mystik mit allerlei Schauwerten. Dass er dadurch durch die Vorwegnahme der Schicksale der Hauptfiguren im Vorspann und die bewusste Überzeichnung seiner Charaktere so etwas wie Brecht'sche Kanten in seinen Horrorfilm baut, verliert sein Werk an Genrekonventionalität und gewinnt an Qualität. "The Demoniacs" ist somit einer der besten Rollin-Filme.