Originaltitel: Beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz, Die. West-Deutschland, 1967. Regie: Werner Herzog. Drehbuch: Werner Herzog. Kamera: Jaume Pacheco. Schnitt: Werner Herzog. Darsteller: Peter H. Bumm, Georg Eska, Karl-Heinz Steffel, Wolfgang von Ungern-Sternberg. Schwarzweiß. 14 Min.



 

 


 


Es herrscht Frieden. Die Festung Deutschkreuz ist versiegelt und still. Jahre lang hat sie kein Gefecht mehr gesehen, kein Blut mehr erlebt. Und so soll es eigentlich auch weiterhin sein, doch eine sinnvolle Nutzung des Schlosses scheint nicht möglich. Wie die Erzählerstimme vor den Credits zugibt, hat der Bürgermeister von Deutschkreuz die Hoffnung auf eine bäuerliche Nutzung der Festung längst aufgegeben. In Werner Herzogs absurder Kriegsgroteske jedoch steigen vier spitzbübische junge Männer in die Festung ein, verkleiden sich als Soldaten und hantieren mit den gefundenen Waffen und geben damit der Festung einen neuen Sinn.

Ein Voiceover eines der Möchtegernoffiziere hangelt sich von einer Floskel zur nächsten, keinen Allgemeinplatz auslassend. "Wer heimlich im Haus wohnt, erspart sich die Miete", ist noch eine der vergnüglicheren Weisheiten, die der unbenannte Diseur aus dem Off vorträgt. Ansonsten gibt es "Jeder tut doch, was er kann" und "Da hilft kein Herbert". Doch am Wichtigsten: "Wer sich nicht rechtzeitig rüstet, der soll auch keinen Feind bekommen". Herzogs Film "Die beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz" erzählt die Geschichte vierer Zivilisten, die sich zu Friedenszeiten in jenem Schloss befestigen und bewaffnen und in ihrem starren Glauben, wenn es sie als Verteidiger gäbe, müsse auch ein attackierender Feind existieren, immer paranoider werden. Während der sich Voiceover immer skurriler und weltfremder artikuliert, geraten die vier Pseudosoldaten in immer größeren Kriegszwang. Herannahende Trecker und arbeitende Bauern werden in ihrem Wahn, das Recht auf einen Feind und einer Verteidigung zu haben als mögliche Kriegsmaschinerien identifiziert. Am Ende rücken die Verteidiger aus, werden zu Angreifern. "Eine Niederlage ist besser als gar keine", denn "jeder hat sein Recht auf einen Krieg".

Werner Herzogs Kurzfilm ist eine sarkastische Kriegsgroteske voller Spitzen auf die Sinnlosigkeit des idealistischen Soldatensolzes. Wie schon zuvor in "Herakles" demontiert er hier einen chauvinistischen Mythos und weist auf die Gefangenschaft des Rollenmodells in seinen eigenen jämmerlichen Handlungskonventionen hin.