Originaltitel: Badi. Türkei, 1993. Regie: Zafer Par. Drehbuch: Baris Pirhasan. Produktion: Senif Gören. Kamera: Orhan Oguz. Musik: Teni Türkü. Farbe. 75 Min.

 


 

 

 

 


Nach Jahrzehnten des Plagiatfilms in der Türkei ist es 1993 endlich an einem uramerikanischen Achtziger Jahre Kitschklassiker, der in die Welt von sehr billigen Filmsets und Döner-Caterings überliefert worden ist. Zafer Pars "Badi" wird außerhalb der Türkei als "Turkish E.T." gehandelt, und wenn uns die Geschichte des türkischen Films eins gelehrt hat, dann folgendes: Filme, die mit dem Wort "Turkish" im Titel beginnen, und mit dem Namen eines amerikanischen Erfolgsfilms aufhören, sind meistens eine Gaudi für den Filminteressierten, der nicht davor zurückschreckt, etwas zu sehen, für das negative Superlative erst noch erfunden werden müssten.

Waren Filme wie "3 dev adam" oder "Dünyayi kurtaran adam" Hochgenüsse, weil sie zum Glück trotz ihrer allumfassenden Debilität und filmischen Unvermögens immer noch sehr unterhaltsam waren. "Badi" macht es seinen Zuschauern da jedoch schwerer. Die türkische Version des Spielberg-Blockbusters "E.T." ist weitestgehend ein ziemlich exaktes Remake mit noch naiveren Wertevorstellungen und noch simpleren Klischeefiguren: Die Schule ist ein Hort voll kinder- und tierfeindlicher Gewalt, die Eltern sind stupide, nur die Kinder sind eine verschworene Bande hoch cleverer Halbwüchsiger. Und als Bülent (Cengiz Sayhan) eines Nachts im Wald im Lichtkegel seiner Taschenlampe ein Wesen erblickt, das unförmiger und hässlicher nicht sein könnte, hat er einen neuen Freund gefunden. Dieses durch und durch hässliche Wesen vom anderen Stern nennt sich Badi und wird fortan die Attraktion für alle Kiddies in der Stadt.

Mit E.T. gibt's keinen Vergleich: War dieses Alien ein dünnes, fremdartiges, scheinbar zerbrechliches Wesen, ist Badi grobschlächtiger und bewegungsunfähiger als es ALF je war. Das der dicke Wasserkopf Badi nur ein Plastikkostüm für ein Kind ist, wird auf den ersten Blick deutlich. Gegen Badi wirkt der Ami-E.T. wie eine Schönheitskönigin.

Der Verlauf des trägen Films wird nur spärlich von so fantastisch dreisten Szenenvariationen des Originalfilms unterbrochen, wie andere Plagiatfilme. Vieles ist wunderlich, kaum verständlich. Die außerirdischen Apparaturen, mit denen Badi scheinbar "nach Hause telefoniert" sind aus normalen Haushaltsgegenständen zusammengebastelt und Badi selber scheint ständig Rauch auszustoßen. Ob dies mit seinem Stoffwechsel zu tun hat, bleibt unerklärt. Wirklich irre ist die Tatsache, dass Bülents Freundeskreis anscheinend von Freaks dominiert wird: So ist Badi sein bester Freund, sein zweitbester scheint sein Wellensittich zu sein, dessen Vogelsprache er offenbar perfekt beherrscht.

Wenn Badi und Bülent am Ende dieser Filmtortur in einer Art Rollstuhl über Istanbul fliegen, dauert es nicht mehr lange und Badi verabschiedet sich von seinen menschlichen Freunden und macht sich wieder auf die Reise in andere Galaxien. "Badi" ist nicht der Trash-Hochgenuss, den man erwarten dürfte, sondern der schwächste Beitrag zur filmischen Völkerverständigung aus der Türkei. Die beste Szene aus diesem verblödeten "E.T."-Ripoff ist noch die letzte: Nachdem Bülent und Badi sich wieder ihren eigenen Welten zugewendet haben, blendet Regisseur Par ein gezeichnetes Bild von stiellosen Blüten vor blauem Hintergrund ein. Diese roten und gelben Blüten blitzen auf und verwandeln sich in Sterne, so wie wir sie am Nachthimmel sehen. Und dann steht "Ende" auf dem Bildschirm. Wie erleichternd es sein kann, nach so einem Schwachsinn das Wort "Ende" entziffern zu können – besonders, wenn es in türkisch geschrieben ist!