Originaltitel: At Land. USA, 1944. Regie: Maya Deren. Drehbuch: Maya Deren. Kamera: Alexander Hammid, Halla Heyman. Darsteller: Maya Deren, Alexander Hammid, Parker Tyler, John Cage, Mort Marcus. Schwarzweiß. 15 Min.
Maya Derens Nachfolger zu ihrem gigantischen "Meshes of the Afternoon" ist ein ähnlich enigmatischer Avantgardefilm voll von verschlüsselten, rätselhaften Bildern, die zutiefst faszinieren können. Im Gegensatz zu ihrem Meisterwerk jedoch, ist "At Land" komplett stumm; es wurde keine Musik nachträglich hinzugefügt. Dies könnte einer der Gründe sein, warum "At Land" träger und weniger energetisch abläuft, als "Meshes of the Afternoon".
Da "At Land" anscheinend auch eine Episode aus Maya Derens persönlichem Leben behandelt, und dabei auch wieder mit Doppelungen ihrerselbst spielt, muss sich dieser Kurzfilm dem Vergleich mit "Meshes of the Afternoon" stellen. Letzterer war ein genialer Surrealfilm über die Wahrnehmung zwischen Realität und Traum, und erzeugte durch seine ineinander verwobene Erzählweise eine unglaublich dichte Stimmung. "At Land" ist glatter und grader: Maya Deren spielt eine Frau, die an Land gespült wird. Die Wellen stoßen sie in rückwärtiger Bewegung an den Strand. Sie klettert die Dünen und Abhänge hinauf, befindet sich plötzlich auf einem Dinerpartytisch, auf dem sie entlang krabbelt. Die Speisenden an dem Tisch scheinen sie nicht zu sehen. Sie wirft am Kopf der Tafel versehentlich eine Spielfigur von einem Schachbrett. Sie versucht den Bauern wieder einzufangen, und muss dazu eine unebene Steinumgebung hinabkraxeln. Plötzlich befindet sie sich auf einem Waldspaziergang mit einem vertraut wirkenden Mann (Alexander Hammid, ihr damaliger Ehemann), der aber schnellen Schrittes in einem Haus verschwindet. Innerhalb des Hauses trifft die Frau nur auf einen im Bett liegenden, alten Mann. Die Schachfigur selbst stiehlt sie von einem Schachspiel, mit dem zwei fremde Frauen am Strand sitzen.
Einige der Sequenzen in "At Land" wirken störend. Der lange Waldspaziergang von Deren und Hammid scheint überhaupt nicht mit dem Rest der Bilder und der Geschehnisse verbunden zu sein. Während alle anderen Bilder und Sequenzen eine typische, suggestive Traumatmosphäre besitzen, ist jene Szene ohne jegliche Codierung versehen. Wir sehen deutlich, dass die beiden Menschen sprechen, der Dialog ist unhörbar. "At Land" erscheint wie ein komplexer Traum, ist aber nicht derart in sich vollendet und rund, wie "Meshes of the Afternoon", und verliert gerade durch oben erwähnte Szene an Schwung und Kraft.
Und dennoch ist "At Land" ohne Zweifel ein guter, faszinierender, schillernder Ausflug in die avantgardistische Welt der Maya Deren. Sehr schön, großartig geschnitten und mit cleveren Tricks versehen. Ein Genuss für jeden, der sich dem experimentellen Kino Amerikas verbunden fühlt.