Originaltitel: Anémic cinéma. Frankreich, 1926. Regie: Marcel Duchamp. Kamera: Man Ray. Schwarzweiß. 4 Min.

 


 

 

Der Titel ist ein Anagramm, und sagt erst einmal genauso wenig aus, wie der Inhalt des Films an sich. "Anemic Cinema" ist der erste und einzige Versuch des Dada-Künstlers Marcel Duchamp, hier unterstützt von dem ähnlich situierten Filmkünstler Man Ray, seine abstrakten Visionen auf Film zu bringen. "Anemic Cinema" ist dabei so unverständlich, dass nur Anhänger der Dadaisten-Bewegung ihn wirklich zu schätzen wissen werden.

"Anemic Cinema" zeigt uns die Bewegung von 10 Rotoreliefs, eigens von Duchamp designt und erfunden, und 9 Scheiben, auf denen unsinnige Sätze zu finden sind. Diese Wörter sind Wortspiele und weitere Anagramme, unzusammenhängend und ohne weitere Bewandtnis. Die Rororeliefs sind akonzentrisch drehende Kreise, die hypnotische Zustände hervorrufen könnten.

Die Spiralen, die hier erzeugt werden, führen in ihrer Bewegung zu einer klassischen optischen Täuschung des Auges. Duchamp ist somit einer der ersten, die sich mittels des Mediums Film über die Wirkung an sich, und der Auseinandersetzung des Zuschauers mit den naturwissenschaftlichen Gegebenheiten zu verständigen wissen. Auch dürfte "Anemic Cinema" ein frühes, wichtiges Werk in der Chronologie der Visuellen Effekte sein.

Ohne Inhalt, ohne "menschliche Story", ist "Anemic Cinema" Film in ziemlich künstlerisch-reiner Form. Trotz der Inhaltslosigkeit mit Aussage, Herausforderung und Aufgabe für den Zuschauer behaftet, und ein Pionierwerk für den Experimental-, Avantgarde- und Effektfilm