Originaltitel: Amputee, The. USA, 1974. Regie: David Lynch. Drehbuch: David Lynch. Produktion: David Lynch. Kamera: Herbert Cardwell, Frederick Elmes. Schnitt: David Lynch. Darsteller: Catherine E. Coulson (Frau mit Amputation an den Beinen), David Lynch (Krankenschwester). Schwarzweiß. 9 Min.
Catherine E. Coulson spielt in Lynchs "Amputee" die titelgebende Leidensfigur - eine Frau, deren beide Beine amputiert worden sind. Lynch nutzt zwei verschiedene Videotape-Arten, die der junge Regisseur im Auftrag des American Film Institutes testen solle. Die Legende besagt, dass Lynch das bildtechnisch schlechte Ergebnis mit Absicht ablieferte, damit künftige Filmstudenten sich nicht mit dem günstigeren Videomaterial herumschlagen müssen.
Zwei Versionen in unterschiedlichem Tempo liegen hier nun vor, und beide zeigen einen kontinuierlichen Shot der Amputierten, wie sie auf einem Sofa sitzt, einen Brief an einen Freund aus der Vergangenheit formuliert, während eine Krankenschwester (von Lynch selber gespielt) sich an ihrem echten Beinstumpen zu schaffen macht. Die Krankenschwester öffnet versehentlich eine Wunde. Das Ende des Films zeigt die Krankenschwester, wie sie ängstlich von dem heftig blutenden Bein entflieht. Die Frau selbst hat von dem gar nichts bemerkt. Obwohl sich das Blut in einer Fontäne entleert, schreibt sie weiter ihren Brief. Während sie Erklärungen über ihre Gefühle zu Freunden und Lieben in der Vergangenheit niederschreibt, muss der Zuschauer feststellen, dass sie an ihren Beinen nunmehr keinerlei Gefühle besitzt.
Lynchs Experiment ist im Gegensatz zu seinen früheren Werken wie "The Alphabet" keine große Sache. Wirklich mehr eine experimentelle Auftragsarbeit für das AFI, im Vergleich zu seinen subjektiveren, artifizielleren Werke eher uninteressant.