Originaltitel: Alphabet, The. USA, 1968. Regie: David Lynch. Drehbuch: David Lynch. Produktion: H. Barton Wasserman. Kamera: David Lynch. Schnitt: David Lynch. Musik: David Lynch. Darsteller: Peggy Lynch (Das Mädchen). Farbe. 4 Min.
Kurzer, auf eine Dauer von vier Minuten reduzierter Experimentalfilm, der sich eines absolut trivialen Themas annimmt, aber ganz treu dem Stil seines Regisseurs David Lynch verarbeitet. Man kann sich vorstellen, dass "The Alphabet" eine Hausaufgabe für den jungen Filmstudenten Lynch war: Eine kontinuierliche Aneinanderreihung des alphabethischen Aufzählreims zu visualisieren. Und David Lynch bastelt aus dem vorgegebenen Kindervers einen animierten Alptraum, in dem ein Mädchen anfängt, aus ihrem Mund zu bluten, und eine eigenartige Kreatur, die das ABC kreiert im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode erschreckt wird.
Über eine alptraumhafte Bebilderung des Films, durch eigenartige Animationen nur noch verstärkt, wird also jener infantile Aufzählreim gelegt. Kombiniert man einen solchen Reim, der ja das Auswendiglernen fördert, mit den brutalen und unterschwellig sexuellen Bildern aus "The Alphabet", kommt man schnell zu dem Schluss, dass dies Lynchs verzerrte Version des Erwachsenwerdens, des Lernens und des Verlierens der kindlichen Leichtigkeit und Unbeschwertheit sein könnte. Eine Welt, in der jede soziale Beziehung durch den letzten Reim des Alphabet-Songs "... tell me what you think of me" diskutiert werden kann, wird es bald für die Protagonistin nicht mehr geben.
Kurz, verstörend, düster und packend. "The Alphabet" mag nur ein Studentenfilm sein, nur ein Experiment - aber es ist gleichzeitig so wirkungsvoll und ansteckend in seiner Atmosphäre wie vergleichbare andere Werke des mysteriösen David Lynchs.