Originaltitel: Achilles. Großbritannien, 1996. Regie: Barry Purves. Produktion: Glenn Holberton. Kamera: Stan Andrew. Schnitt: Leo Casserley. Musik: Nigel Hess. Stimmen: Derek Jacobi, Simon Green, David Holt, Tim Morgan. Farbe. 11 Min.



 

 


 

Die griechische Sage um Troja und dem heldenhaften Protagonisten in diesem Krieg, Achilles, bekommt in diesem optisch brillanten Claymation-Experiment eine wunderbare Verfilmung – und zugleich eine der wirklich wenigen Adaptionen, die die Homosexualität seiner Hauptfiguren nicht nur subtil durchschimmern, sondern zum Hauptinhalt werden lässt. Ja, in Barry Purves' "Achilles" ist jener Titelheld seinem Liebhaber Patrokles verfallen. Nackt- und Sinnlichkeit unter den Männern wird nicht angedeutet, sondern buchstäblich in der animierten Lehmmasse modelliert. Dabei bleibt "Achilles" allerdings seiner Grundidee treu und erzählt genauso auch die Geschichte des trojanischen Krieges und wie dieser dem großen, als unbesiegbar geltenden Achilles zum Verhängnis wurde. Insgesamt jedoch erzählt Purves mehr von dem homosexuellen Achilles, der versucht seine verbotene Leidenschaft zu verstecken, als von dem kriegerischen Achilles – und somit mehr von einem Menschen, als einer Tötungsmaschine.

Das wirklich Besondere an Purves' Animationsfilm ist jedoch, dass er die Geschichte nicht als Animationsillusion inszeniert, sondern eine Art griechisches Tragödienspiel nachbildet. So werden manche Effekte, wie zum Beispiel das Meer, das Wasser und ähnliches ganz eindeutig von animierten Komparsen erst erzeugt. Der ganze Film wirkt, wie auf einer Bühne gespielt und dabei abgefilmt. Dass sich Purves gerade an so einer Theater-gleichen Situation versucht, zeigt seine Experimentierfreudigkeit mit der Ausdrucksform Animationsfilm. "Achilles" als vollkommen neuartige Filmform, irgendwo zwischen Theaterexperiment, pornographischem Historienfilm und Claymationfilm ist ein aufregendes und visuell begeisterndes Produkt seltener Kreativität.