Originaltitel: Zweigroschenzauber. Internationaler Titel: Two-Penny Magic. Deutschland, 1929. Regie: Hans Richter. Drehbuch: Hans Richter. Schwarzweiß. 3 Min.

 

 


 

Werbung, getarnt als Avantgarde. Oder andersherum? Als Reklame für die "Kölnische Illustrierte Zeitung" konzipiert, schneidet der Film so rasant und schnell zwischen seinen Bildern und Assoziationen hin und her, wie man eine aufgeschlagene Zeitschrift durchzublättern vermag. Jedes Bild scheint fragmentarisch auf dem anderen aufzubauen, eine Kette an losen Zusammenhängen. Richter nennt seine Bilderfolge einen visuellen Reim. Alles ist aktuell, alles ist wichtig. Werbung, getarnt als Dokumentarfilm.

Die Zeitung wird einem Wunder gleichgestellt: Zu Beginn des kurzen Werbefilms sehen wir einen Zauberer, der für die Vergütung von zwanzig Pfennig eine Schar Besucher durch ein neuartiges Teleskop blicken lässt, dessen Reichweite es bis zum Mond schafft. Hier wird der Bezug zum Titel deutlich: Der Zauber kostet nur zwei Groschen. Danach beginnt Dadaist Hans Richter eine Fülle an assoziativen Bildern zu streuen und nutzt dabei eine Vielzahl an frühen Spezialeffekten. In einer Sequenz, in der er von zwei, sich schüttelnden Politikerhänden auf zwei aufeinander treffende Boxhandschuhe überblendet, werden wir Zeuge eines der ersten "match cuts" der Filmgeschichte: Richter überwindet räumliche und zeitliche Diskrepanzen und konzentriert sich nur auf die Ähnlichkeit seiner Bilder und verbindet sie durch den eleganten Schnitt. Vielleicht eine der ansprechendsten Werbungen, die je gefilmt wurden.