Es passieren ja manchmal die tollsten Sachen. Ein paar Russen landen auf dem Mond und finden ein Samuraischwert. Und als sich das Sonnenlicht in der blanken Klinge reflektiert und den erstaunten Astronauten blendet, hat er eine Vision. Diese Vision versetzt ihn direkt ins altertümliche Japan, wo ein mächtiger Samurai drauf und dran ist, eine scheinbar hilflose, junge Frau grausam abzuschlachten. Doch er hält inne – sie versucht ihn durch Gruselgeschichten über Dämonen und Geister zu ängstigen und schließlich von seinem Blutbad abzuhalten. Klingt nach verschachtelter Erzählweise? Leider nicht, denn Makoto Tezukas Direct-to-Video-Produktion "Youkai Tengoku" ist ein ziemlich simpler, linearer Episodenfilm, gefüllt mit Horrorklischees und ziemlich albernen Effekthaschereien.

Dass die Ambitionen hoch waren, merkt man an den einzelnen, im Stil doch sehr variierenden Episoden: So ist die erste Horrorepisode eine zunächst klassisches Drama im feudalen Japan, die in recht schön anzuschauende Grüntöne getaucht ist. Doch spätestens wenn hier die Seejungfrau in Form eines Reptilien-artigen Ungeheuers auftaucht, ist es mit der ernsthaften und halbwegs interessanten Atmosphäre dahin. Später übernimmt "Youkai Tengoku" Stilelemente des Stummfilms, komplett in Schwarzweißphotographie, Irisblenden, absichtlichen Materialbeschädigungen und Zwischentitel statt gesprochene Dialoge. In einer der letzten erzählten Episode über einen blinden, alten Mann, der sich besser zu wehren weiß, als es einige Gangster erahnen, überwiegen grelle, nahezu psychedelische Farben.

Makoto Tezuka scheint kein sonderlich reifer Regisseur zu sein. Seine Geschichten funktionieren nur leidlich, schon allein deshalb, weil ihre Pointen ausbleiben oder furchtbar belanglos sind. Doch "Youkai Tengoku" wird dann zu einem recht ansehnlichen Spektakel, wenn er ohne Rücksicht auf Verlust der eigenen Überzeugungskraft seine billigen Videoeffekte abfeiert: Der Titelvorspann, die letzten Bilder, die wirklich sehr neben der Kappe sind oder über die kurze Lauflänge des Films verteilte Effektschüsse.

Interessant bei dieser nur wenig erträglichen Genreproduktion ist jedoch, dass Regisseur Makoto Tezuka niemand anderes ist, als der leibliche Sohn der Anime-Legende Osamu Tezuka ("Broken Down Film"), der hier sogar in einer Cameo-Rolle als Priester auftritt. Und auch Sohnemann Tezuka ist eher den animatorischen Künsten zugeneigt, so waren seine frühen Filmwerke á la "Moment" allesamt Animes. Vielleicht hätte "Youkai Tengoku" es auch gut getan, hätte man seine wirre und oftmals reichlich alberne Geschichte nicht als Live-Action-Film nachempfunden, sondern hätte man ihn gleich in das Universum japanischer Animationskunst gebettet. Hier wäre eine derartig ausgeflippte Idee deutlich besser untergebracht, da viele Schwierigkeiten, die diese Produktion hier mit sich bringt und oftmals in schlechten Spezialeffekten manifestiert sieht, durch den Pinselstrich retouchiert werden können.