Originaltitel: You killed me first. USA, 1985. Regie: Richard Kern. Kamera: Richard Kern. Musik: J.G. Thirlwell. Darsteller: Lung Leg (Elizabeth), David Wojnarowicz (Vater), Karen Finley (Mutter), Jessica Craig-Martin (Schwester), Montanna (Cheese), N. Cooper (Nick). Farbe. 11 Min.



 

 


 

 

Richard Kerns Filme waren selten erzählerisch. Mit "You killed me first", einem seiner bekanntesten Werke, drehte er seinen am ehesten narrativen Film. Kern beobachtet das Abendessen einer vierköpfigen Familie. Vater, Mutter und die beiden Teenagertöchter. Während Elizabeth das Schwarze Schaf der Familie ist, kommt ihre blonde, ruhige, brave Schwester wie eine Bilderbuchtochter daher. Als am Esstisch das Thema der jeweiligen männlichen Freunde der beiden Töchter zur Sprache kommt und die Eltern den Schwiegermutterliebling Nick loben, während Elizabeths Punkfreund Cheese nur als Dreck und Abfall abgetan wird, kommt es zum Ausbruch der Wut in Elizabeth.

In schlecht geschnittenen Rückblenden lernen wir aus dem missverstandenen Leben Elizabeths. Die Punkrock-Göre kann mit der bigotten Vorstadtethik ihrer Eltern nichts anfangen und rebelliert gegen die erzieherische Autorität. Der Vater findet keinen Zugang zu der neuen "Elizabeth", die sich nun ein neues, anarchisches Leben erträumt. Er schlägt sie. Wenn die Mutter ihren Töchtern Pullover aus der Stadt mitbringt, dann weist sie darauf hin, dass sie extra für Elizabeth das günstigere auswählte, da sie sich sicher sei, dass sie das Kleidungsstück zerschneiden und entweder "Fuck" oder "Anarchy" draufschreiben würde. Am Esstisch konfrontiert Elizabeth ihre Heilweltfamilie mit der Wahrheit: Sie wären ebenso hässlich wie Elizabeth, doch würden sie sich selbst belügen. Aus Hass und Verachtung heraus, erschießt Elizabeth ihre Familie am Esstisch unter der titelgebenden Parole. Dass die Familie ihre Tochter geistig zuvor umbrachte, dürfte verständlich sein und für Sympathien für das Mädchen sorgen. Und obwohl sehr radikal und in seiner Aussage, das selbstbestimmende Individuum preisend, sicherlich nicht falsch, aber filmisch und technisch noch vollkommen unterentwickelt. Kerns Schaffen zu dieser frühen Phase ist sicherlich interessant, aber qualitativ weder beeindruckend noch herausstechend.