José Mojica Marins Filme hatten schon immer Probleme in seinem Heimatland Brasilien, obwohl er sein erstes Meisterwerk "At Midnight I'll take your Soul" kurz nach der Aufhebung der landesweiten Zensurmaschinerie in die brasilianischen Kinos kam, litten seine Werke immer wieder an den kleineren, staatlichen Behörden. Nach beinahe vier Jahrzehnten im brasilianischen Filmbusiness entschied sich Marins die entfallenen Szenen aus verschiedensten Werken wiederzuverwerten in einem weiteren Werk um seine Kultfigur Zé do Caixão alias Coffin Joe. Entstanden ist dadurch "Hallucinations of a Deranged Mind" einer ziemlich schrillen Verdichtung der Filmographie Marins.

Die Geschichte ist leider furchtbar simpel: Zé do Caixão hat einmal wieder sein perfektes, weibliches Ebenbild zur Nachkommenszeugung gefunden: Tania, die Frau des völlig perplexen Dr. Hamiltons. Zé do Caixão scheint Tania erfolgreich in seinen Bann gezogen zu haben, da rebelliert Hamilton. Er kreischt und verfällt in Panik angesichts der furchtbaren Höllenwelt des Magiers. Was Hamilton nicht weiß: Alles ist nur ein Traum. Während er im Fieberwahn deliriert, ist zu Hause eigentlich alles im Lot. Doch auch wach kann Hamilton zwischen Traum und Realität nicht unterscheiden. Selbst seine Kollegen von der Universität können ihn nicht davon überzeugen, dass seine Höllenvisionen nichts weiter als Schäume sind. So ziehen sie Marins persönlich zu Rate, der Hamilton klar machen soll, dass sein Zé do Caixão nur ein Produkt seiner Phantasie sei.

Die Rahmenhandlung ist sicher leidlich originell, die Montage aus den verschiedensten Filmen aber umso virtuoser. Da stehen Szenen seines Schwarzweißfilms "At Midnight I'll take your Soul" genauso neben den farbigen Acid-Sequenzen aus "The Bloody Exorcism of Coffin Joe" – ohne dass dieser Umstand einen Abbruch in der szenischen Darstellung der Coffin-Joe-Hölle herbeiführen würde. Narrativen Anspruch hat "Hallucinations of a Deranged Mind" kaum. Lediglich die Rahmenhandlung, die Marins als einziges Originalmaterial für diesen Film drehte, funktioniert nach bekannten Genreregeln. Der Rest ist ein wüster, aber durchaus ansehnlicher, massiver Mix aus Folterszenen, Alpträumen, Höllensequenzen und anderer wahrlich eigenartiger Vorgänge. Alle Entartungen, die Marins je für Zensurbehörden allen Ortens zu sehr auf die Spitze trieb, in schriller Sequenzform – nicht mehr und nicht weniger.

"Hallucinations of a Deranged Mind" ist somit ein schwieriger Film: Einerseits ein scheinbar konstruiertes Industrieprodukt, das lediglich sensationalistische Gewalt- und Sexszenen recyclet, andererseits ein wunderbarer, surrealer Alptraum auf Spielfilmlänge. Zuschauer, die bereits mit der höllischen, blasphemischen Welt des José Mojica Marins auf Tuchfühlung gegangen sind, sei dieses aufregende Werk empfohlen. Alle anderen sollten einen weiten Bogen um "Hallucinations of a Deranged Mind" machen, es sei denn, man kann sich mit der durchaus avantgardistischen, non-narrativen Attitüde des verfilmten "stream-of-consciousness" anfreunden.