Originaltitel: H²O. USA, 1929. Regie: Ralph Steiner. Kamera: Ralph Steiner. Schnitt: Aaron Copeland. Schwarzweiß. 12 Min.



 

 


 

Sprudelnder Wasserregen entfleucht dem majestätischen Springbrunnen. Schaum setzt sich auf den gewaltigen Wassermassen ab. Grashelme spiegeln sich auf der klaren, aber von Wellen durchzuckten Wasseroberfläche wieder. Regentropfen kreieren auf dem Wasser einen possierlichen Tanz von sich ausdehnenden Kreisen. Ralph Steiners Kamera ist bei diesem alltäglichen Naturschauspiel derart dicht an dem Geschehen, dass sich schnell jenes gegenständliches Verständnis in abstrakte Assoziationen verliert. Gerade zu Anfang des Filmes "H²O" kombiniert Steiner das Wasser in seinem Bildkader immer mit einem Beweis für Zivilisation und Technik: Wir sehen einen Brunnen, eine Leitung und eine Wasserpumpe. Je länger der Film läuft, desto abstrakter wirkt das Filmbild: Der Ursprung der Spiegelungen auf der Wasseroberfläche kann kaum mehr identifiziert werden und der Fluss des Wassers wird zu einem hypnotischen, wie abstrakten Formen- und Mustertanz.

Steiners Filmblick ist ein zunächst ein dokumentarischer. Der Photograph beobachtet hier die Bewegung des Wassers und die Reflektion von Licht und Schatten auf ihrer Oberfläche, schafft es allerdings, unter anderem auch durch die meisterliche Montage von Aaron Copeland, ein avantgardistisches Meisterwerk zu kreieren. Der beobachtende Blick auf etwas Tatsächliches wird schnell durch die poetischen Bilderfolgen und aufregenden Musterkreationen des Wassers ersetzt. Am Ende des zwölfminütigen "H²O" ist das Werk gänzlich abstrakt und avantgardistisch. Ein Meisterwerk des Naturfilms, einer der wunderbarsten, berührendsten Filme der Avantgarde!