Originaltitel: Baldessari sings LeWitt. USA, 1972. Regie: John Baldessari. Darsteller: John Baldessari. Schwarzweiß. 13 Min.
Konzeptuelle Kunst, darunter auch entsprechende Videofilme, waren seit jeher nichts für ein weites Publikum. Erst durch ein profundes Verständnis der einzelnen Medien, auf und durch die die Kunstwerke entstehen, ist es möglich, diese anzuerkennen. Sie zu genießen, schließt dies nicht mit ein. Und obwohl es viele Texte dazu gibt, wie man sich Konzept- und Videokunst nähern sollte, wie sie zu rezipieren ist und inwiefern man die gesamte Kunstgeschichte berücksichtigen muss, blieben die meisten Werke immer mit dem Ruf behaftet, nur "etwas für Kunststudenten" zu sein. Die Masse richtete ihren Blick nie auf den mehr als oberflächliche Betrachtung, sondern intensive Beschäftigung fordernden Kunstkreis. John Baldessari, dadaistisch beeinflusster Konzept- und Fotokünstler, nahm sich dieser Angelegenheit in seinem Video "Baldessari sings LeWitt" ironisch an, indem er Sol LeWitts trockene Kunstphilosophie "Paragraphen über konzeptuelle Kunst" zu den Melodien verschiedener Popsongs, unter anderem auch die amerikanische Nationalhymne, vorsingt.
In dem Video passiert, bis auf eine kurze Einleitung sonst nichts. Baldessari singt die nummerierten Sätze einzeln, jeweils zu einer anderen Melodie vor, richtet seinen Blick so gut wie nie direkt in die Kamera. Diese "Performance" ist zugleich Kommentar auf unverständliche Nüchternheit des LeWitt-Textes, aber auch Anklage an Künstler und Publikum zu gleich, deren Annäherungsversuche bislang ausblieben. Die Kommunikation scheint erst dann zu funktionieren, wenn die Kunst in leicht summbare, eingängige Popmelodien verpackt wird – denn der Zuschauer wird erst dann verstehen, wenn die Signale einfach entschlüsselbar sind. Doch die Kommunikation scheitert, da die Konzeptkunst keine Vermittlung an ein Zielpublikum vorsieht und sich nicht zur eigenen Kastration zum besseren Verständnis zwingen lässt. Dieses Ungleichgewicht wird ironisch durch die erkennbare Leichte der Melodie, kombiniert mit der fordernden Schwere des in Stein gemeißelten Wortes, thematisiert und sogar halbwegs massentauglich kommuniziert.