Originaltitel: Angel in the Flesh – Confidential Report on Mr. Dennis Duggan a.k.a. The King of Super8. Italien, 1999. Regie: Marcello Garofalo. Produktion: Marcello Garofalo, Vittorio Guida. Kamera: Vittorio Guida. Schnitt: Giogiò Franchini. Musik: Francesco D'Errico. Darsteller: Lawrence Ferlinghetti, Helena Duggan, Joe Hoffman, Gene Bregman, John Clarks, Karen Aschenbach, Caroline Blair, Ed Davison, Joanna Appleseed, Alexandra Cantin. Farbe. 69 Min.
Er war der "König von Super8". Als Underground-Filmemacher an der Westküste der USA wurde Dennis Duggan als Regisseur, Schauspieler und Lehrer an einer Filmschule zu der Ikone des Super8-Mediums. Und obwohl noch heute Super8-Filmkassetten mit Zitaten Duggans beworben werden, wurde sein Name nie großflächig bekannt. Als er am 11. Dezember 1995 starb, hatte er seinen ultimativen Film – seinen "Citizen Kane" – nicht gedreht. Dafür aber viele, kleinere Projekte und nebenher hat Duggan noch viele andere, junge Super8-Filmemacher inspiriert. Der italienische Filmkritiker Marcello Garofalo, der auf Duggan 1989 aufmerksam wurde, wollte gerade persönlichen Kontakt zu dem kuriosen Duggan aufnehmen, als ihm überraschend mitgeteilt wurde, dass Duggan an Krebs starb. 1999 stellte Garofalo seine Verbeugung vor Dennis Duggan fertig: "Angel in the Flesh – Confidential Report on Mr. Dennis Duggan a.k.a. The King of Super8".
Die Dokumentation Garofalos geht dabei einen recht simplen Weg: Er kombiniert Ausschnitte aus den raren Filmen Duggans mit Interview-Clips von Wegbegleitern. Diese, unter anderem seine Witwe und einige seiner Stammschauspieler, geben ein paar nette Anekdoten zum Besten, ohne je wirklich unter die Oberfläche Duggans zu stoßen. Leider wird man schnell feststellen müssen, dass Garofalos Film leider nur einem Steckbrief gleicht, der verschiedene Stationen und Engagements Duggans beleuchtet und der letzten Endes nur den Zweck verfolgt, Dennis Duggan ein filmisches Denkmal zu setzen. Dies ist sicherlich eine ehrenvolle Gesinnung, jedoch macht es "Angel in the Flesh" dadurch nicht zu einem besseren Film.
Die stärksten Parts in Garofalos Duggan-Kompilation sind jedoch jene, die Ausschnitte aus dem filmischen Schaffen Duggans zeigen: Die wirren, surreal anmutenden Fantasystories von dem wandelnden Tod oder die köstlich-billigen Blockbusterparodien, in denen er mit wenigsten Mitteln 35mm-Vorbilder wie "Alien" oder "Der Pate" verhohnepiepelt. Garofalo bietet aber auch Einblick in Duggans Ambitionen als Schauspieler. Um Geld zu verdienen heuerte Duggan immer wieder als Akteur in Pornofilmen an, jedoch ohne jemals seine Kleidung abzulegen. Als Nebendarsteller ohne Hardcoreszenen machte er wohl mit seiner Orson-Welles-artigen Erscheinung und seinem distinguierten Schauspiel am meisten Eindruck bei dem großen Publikum. So waren es auch nicht seine eigenen Filme, die Garofalo auf seine Spur haben kommen lassen, sondern sein Auftritt als prüder Müller in Bud Lees Historienporno "The Ribald Tales of Canterbury".
Doch trotz der vielen Ausschnitte und der vielen bemühten Interviewparts, wird nie vermittelt, werden seine filmischen Projekte fast stiefmütterlich behandelt. Wo der Film Duggan als Ehemann, Akteur und Super8-Theoretiker vorstellt, vergisst er es den Filmemacher, den Regisseur zu beleuchten. Gerade aufgrund der Seltenheit seiner Werke dürfte die Neugier des Zuschauers diesbezüglich ins Unermessliche wachsen, doch alles was uns vorgesetzt wird, sind ein paar verschwommene Erinnerungen, die Duggan als eine Mischung aus Marlon Brando und Orson Welles skizzieren und ein paar konfuse Filmfragmente, doch der befriedigende Kern wird nie getroffen. Lediglich Duggans letzter Film, der abendfüllende "Dark Street" wird ein klein wenig näher beleuchtet.
Doch will man das Porträt eines scheinbar wichtigen und großen Mannes anzweifeln, wenn es das einzige ist? Sicher nicht. Obwohl sich vermutlich jeder Zuschauer mehr Informationen und mehr Einblick in das Leben und Schaffen Duggans gewünscht hätte, ist man letzten Endes doch froh, Garofalos Dokumentation gesehen haben, denn sonst hätte man wohl bis heute keine Ahnung von dem "König von Super8", da sein Name wohl nur in den Underground-Zirkeln San Franciscos wirklich einen Stellenwert hat. Als Kuriosum daher definitiv ansehnlich.